Ich zog Rose an meine Brust. Sie suchte instinktiv, hungrig, verzweifelt. Owen hatte kurz zuvor gegessen – ich kannte dieses Verhalten.
Ich sah noch einmal zur Tür. Niemand kam.
Also tat ich das Einzige, was ich tun konnte. Ich setzte mich auf den Badezimmerboden, öffnete meine Stillkleidung und fütterte sie.
Die Veränderung war sofort sichtbar. Ihr Körper wurde weicher, ihre kleinen Hände entspannten sich, ihr Weinen wurde zu leisem Seufzen. Wärme kehrte zurück.
„So ist es gut“, flüsterte ich. „Du bist jetzt sicher.“
Owen gab einen empörten Laut aus der Trage.
„Ich weiß“, sagte ich. „Du bist trotzdem mein Lieblingsdrama.“
Als die Sanitäter mit der Flughafensicherheit eintrafen, saß ich noch immer am Boden, ein Baby im Arm, das andere an meiner Schulter eingeschlafen.
„Sie haben sie gefunden?“
„Auf dem Boden“, sagte ich. „Kein Zettel. Keine Tasche. Einfach dort.“
Sie überprüften das Baby schnell.
„Sie ist okay. Nur kalt und hungrig. Jetzt ist sie versorgt. Sie haben richtig gehandelt.“
Ein Sanitäter nahm Rose vorsichtig entgegen. Sie protestierte kurz, beruhigte sich dann wieder.
Man stellte mir Fragen: Name, Adresse, Telefonnummer. Ich war kaum in der Lage, alles korrekt zu sagen.
Mein Flug war weg. Kein Geld, keine Möglichkeit, neu zu buchen.
Ich fuhr nach Hause mit meinem Sohn – und konnte kaum schlafen. Jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, sah ich diesen grauen Pullover auf dem Boden.
Wer lässt ein Baby so zurück?