Eine Sirene riss mich im Morgengrauen aus dem Schlaf. Blaues und rotes Licht zuckte durch die Jalousien und tauchte mein Schlafzimmer in Panik. Für einen wilden Moment dachte ich, Lee wäre zurückgekommen, um Ärger zu machen – oder die Bank wäre schon da, um mir das Haus wegzunehmen.
Ich zog den erstbesten Cardigan über und trat nach draußen.
Die Straße glich einem Zirkus.
Zwei Streifenwagen, ein SUV des Sheriffs, Nachbarn, die sich auf den Rasenflächen versammelt hatten, ihre Gesichter angespannt vor Neugier. Ich strich mir eine Haarsträhne hinters Ohr und trat auf die Veranda, bemüht, mutiger zu wirken, als ich mich fühlte.
Die Straße glich einem Zirkus.
Ein großer Mann in Uniform kam auf mich zu – breit gebaut, ernst, einer von der Sorte, bei der man automatisch gerader steht.
„Sind Sie Ariel?“ Seine Stimme war knapp, aber nicht unfreundlich. Sein Blick huschte zu den Nachbarn, die sich versammelt hatten. „Ich bin Sheriff Holt. Können wir kurz hineingehen?“
Ich öffnete die Tür, mein Herz hämmerte. Plötzlich wirkte das Wohnzimmer eng. Das Funkgerät auf seiner Schulter knackte leise, während sein Blick über die Familienfotos und den Stapel ungeöffneter Post glitt.
„Ist alles in Ordnung?“, brachte ich mühsam heraus.
Er senkte die Stimme. „Ich wünschte, das wäre es. Mrs. Higgins ist heute früh auf ihrer Veranda zusammengebrochen. Eine Nachbarin hat sie gesehen und den Notruf gewählt. Die Sanitäter waren zuerst da, aber…“ Er verstummte.
„Sie hat es nicht geschafft“, flüsterte ich und sank auf das Sofa.
Holt nickte ruhig. „Es tut mir leid. Wir wissen, dass Sie ihr gestern geholfen haben – ein Nachbar hat uns das erzählt. Und wir haben die Kamera auf ihrer Veranda überprüft, um ihre letzten Bewegungen nachzuvollziehen. Wir haben gesehen, wie sie kurz bevor sie sich zum letzten Mal setzte, etwas in Ihren Briefkasten gelegt hat.“