Einen Tag hatte ich eine Zwillingsschwester.
Am nächsten war ich allein.
Ihre Spielsachen verschwanden. Unsere gleichen Kleider auch. Ihr Name hörte auf, in unserem Haus zu existieren.
Am Anfang fragte ich weiter.
„Wo haben sie sie gefunden?“
„Was ist passiert?“
„Hat es wehgetan?“
Das Gesicht meiner Mutter verschloss sich.
„Hör auf, Dorothy“, sagte sie. „Du tust mir weh.“
Ich wuchs so auf.
Ich wollte schreien: Mir tut es auch weh.
Stattdessen lernte ich zu schweigen. Über Ella zu reden war, als würde man eine Bombe mitten im Raum fallen lassen. Also schluckte ich meine Fragen hinunter und trug sie mit mir herum.
Nach außen war ich ein braves Kind. Ich machte meine Hausaufgaben, hatte Freunde, machte keinen Ärger. Innen war da dieses summende Loch, genau dort, wo meine Schwester hätte sein sollen.
Mit sechzehn versuchte ich, das Schweigen zu durchbrechen.
Ich ging allein zur Polizeistation, mit schwitzenden Handflächen.
Der Beamte am Schalter sah auf. „Kann ich dir helfen?“