Ich erstarrte. „Sie hat sich an mich erinnert?“
Harris lächelte schwach. „Natürlich. Wie hätte sie die Kleine vergessen können, die ihr jeden Tag Ringelblumen gebracht hat?“
„Sie hat sich an mich erinnert?“
Plötzlich rissen die Jahre zwischen uns auf.
„Du hast mich gekannt?“ drängte ich.
Harris deutete auf die Zederntruhe am Fußende des Bettes. „Öffne die obere Schublade.“
Darin, in Seidenpapier gewickelt, lag eine winzige Puppe aus Bonbonpapier, mit verdrehten Silberarmen und einem rosa Rock.
„Ich habe die gemacht“, flüsterte ich.
Harris schenkte mir ein schwaches, trauriges Lächeln, als hätte er jahrelang auf diesen Moment gewartet. „Du hast sie Catherine am Tag gegeben, als deine Tante und dein Onkel dich abholten.“
Der Raum verschwamm. Ich erinnerte mich an diesen Nachmittag in plötzlichen Blitzen. Meine Eltern waren kurz nach meiner Genesung von der Lungenentzündung bei einem Unfall ums Leben gekommen. Meine Tante und mein Onkel kamen, um mich abzuholen. Ich stand am Taxi, in einer Hand einen Strauß Ringelblumen, in der anderen die Papierpuppen-Puppe, und drückte beides in Catherines Arme, weil ich nicht wusste, wie ich mich sonst verabschieden sollte.
Damals war Harris glatt rasiert, sein Gesicht offen und leicht einzuordnen. Jetzt, Jahre später, bedeckte der Bart die Hälfte, die Zeit hatte den Rest verändert, und ich hatte nie daran gedacht, zweimal hinzusehen.
Harris wischte sich die Augen. „Catherine hat diese Puppe all die Jahre aufgehoben. Sie hat sie jeden Frühling herausgeholt, wenn die Ringelblumen blühten.“
Ich weinte in das Taschentuch, während er still wartete.