Ich stand langsam auf. Sein Ton überraschte mich. Er klang freundlich … aber auch angespannt. Als wüsste er bereits, wer es war.
Ich ging in den Flur. Er stand an der Fliegengittertür, eine Hand am Rahmen.
„Jessica“, sagte er schlicht.
Und dann sah ich sie.
Jessica.
Meine biologische Mutter.
Die Frau, die ich mir unzählige Male vorgestellt hatte.
Ihr Haar war jetzt kürzer. Um ihre Augen lagen müde Linien. Sie sah älter aus als auf dem Foto, aber ich erkannte sie sofort. Das Leben hatte sie berührt – nur nicht auf die Art, die Weisheit hinterlässt.
„Dylan“, sagte sie mit ruhiger Stimme. „Es ist lange her.“
„Ja“, sagte ich leise. „Das ist es.“
Zwischen uns lag eine seltsame, fast filmreife Stille. Ich wartete auf irgendetwas – Tränen, eine Entschuldigung, irgendein Zeichen, dass dieser Moment für sie genauso bedeutend war wie für mich.
Aber Jessica tat nichts davon.
Keine Träne. Kein Hauch von Reue.
Stattdessen griff sie in ihre Tasche und zog einen braunen Umschlag hervor.
„Der ist für dich“, sagte sie, als würde sie mir einen Werbeflyer geben. Dann fügte sie etwas zu fröhlich hinzu: